Führen in einer Ausnahmesituation

Führung

Erst hat uns die Corona-Pandemie durchgerüttelt. Uns an der Rand der Belastbarkeit gebracht. 


Die Pandemie war ein Katalysator in vielerlei Hinsicht. Führungskräfte waren dabei im Krisenmanagement vor allem gefordert, den Umgang mit Emotionen auf ein anderes Level zu heben.

Denn die Situation war für alle emotional sehr belastend und das konnte nicht unausgesprochen bleiben.

Und wo es vorher vielleicht ungewöhnlich war, im Kollegenkreis über das zu sprechen, was einen bewegt, galt es, Räume zu schaffen, um genau dies zu tun.

Um gemeinsam diese Krise zu bewältigen und gemeinsam gestärkt daraus hervorzugehen.

Und nun kommt der Krieg dazu. 

Erneut sind wir aus der Bahn geworfen.

Gerade hatte sich halbwegs alles eingespielt, war klar, was es braucht, um mit der Pandemie umzugehen, und schon kommt die nächste Ausnahmesituation

Und wir werden erneut emotional durchgerüttelt.

Wie umgehen, mit dem Gefühl der Ohnmacht? Mit Wut? Mit Enttäuschung? Mit Verzweiflung? Mit dem Wissen, dass Sicher-Gelaubtes offensichtlich doch nicht sicher ist?

In meinem Blog-Beitrag vom Mai 2020 „Führen in einer Krise“ zeige ich auf, wie wichtig es ist, genau das zu tun und zu lernen: Einen sinnvollen und effektiven Umgang mit Emotionen. Mit den eigenen, aber auch denen der anderen. 

Ausgangspunkt für effektive Führung in einer Ausnahmesituation bin aber immer ich selbst als Führungskraft!

Wie geht es mir?

Wie gehe ich selbst mit der Situation, mit meinen Gefühlen um?

Denn nur wenn ich es zulasse, meine eigenen Emotionen wahrzunehmen, mit ihrer bewusst zu werden, bin ich in der Lage, auch bei anderen zu erkennen und zu erfassen, wie es ihnen geht.

Raum für Austausch schaffen

Im zweiten Schritt gilt es dann, einen Raum für Austausch zu schaffen. Austausch über die persönliche Gefühlslage – für alle, die das wollen. 

Etwa indem Du bei einem Meeting nicht direkt ins Thema springst, sondern am Anfang ein paar Minuten dazu nutzt, um über Deine eigene Gefühlslage zu sprechen, darüber, was Dich persönlich bewegt und dann Deinem Team die Möglichkeit gibst, sich ebenfalls dazu zu äußern.

Verordnen“ kann man das sicher nicht und es wird sich nicht jede:r aus Deinem Team in einen solchen Austausch einbringen wollen, aber allein zu wissen, dass es die Möglichkeit dazu gibt, ist für viele extrem hilfreich.

Und für jene, die sich aktiv einbringen, bedeutet es aktiven Stressabbau, bedeutet es, sich verbunden zu fühlen mit dem Team und mit Dir als Führungskraft. So leistest Du einen aktiven Beitrag zu einem konstruktiven und effektiven Umgang mit Emotionen und sorgst dafür, dass Dein Team arbeitsfähig bleibt.

Gesine Engelage-Meyer hat einige Alternativen zur wohlbekannten Floskel „Wie geht’s?“ zusammengestellt, die ich sehr hilfreich finde, um tatsächlich in ein fruchtbares Gespräch über die persönliche Gefühlslage einzusteigen.

Grafik: Gesine Engelage-Meyer

Im Ausnahmezustand braucht es eine stimmige Balance aus „Machen“ und „Fühlen“

Die Grafik habe ich diese Woche in einem Post von Gesine Engelage-Meyer auf LinkedIn gefunden, in dem sie über einen Vortrag von Prof. Dr. Judith Mangelsdorf, Professorin im Bereich Positive Psychologie, berichtete, der im Rahmen des deutschen Resilienz-Kongresses stattfand und einen weiteren spannenden Aspekt zum Umgang mit der derzeitigen Ausnahmesituation beinhaltet.

In ihrem Vortrag „Vom Glück in die Krise – Positive Psychologie in Zeiten von Krieg und Leid“ beschreibt die Professorin, dass wir nur dann einen gesunden Umgang mit dieser Ausnahmesituation finden können, wenn wir für uns eine stimmige Balance aus „Machen“ und „Fühlen“ finden.

Das Machen realisiert sich z.B. in Spenden, Demonstrieren, uns für Flüchtlinge engagieren, Flüchtlinge aufnehmen.

Das Fühlen meint (wie auch schon oben beschrieben): Die innere Aufgewühltheit, die Emotionen wahrnehmen und akzeptieren. Bei sich selbst genauso wie bei den anderen. Und dafür sorgen, dass wir zwischendurch durchatmen können, die Frühlingssonne bei einem Spaziergang genießen, mit unseren Kolleg:innen lachen…

Auch Prof. Dr. Mangelsdorf beschreibt also, wie essenziell es ist, weder die eigenen Gefühle, noch die der anderen zu ignorieren, sondern stattdessen darauf einzugehen und sie besprechbar zu machen.

Aber auch im Tun liegt ein Stück „Erlösung“ vom Ohnmachtsgefühl, der Wut, …. Denn dann fühlen wir uns wirksam, hilfreich, ein klein weniger ohnmächtig.

Was also könntest Du in Deinem Team als Aktion anregen? 


Oder Du fragst einfach mal in die Runde, ob ein Teammitglied bereits einen guten Weg, sich zu engagieren, gefunden hat – das ist dann vielleicht Inspiration und Anregung für die anderen.

Was kannst Du als Führungskraft also in der aktuellen Ausnahmesituation konkret tun?

  1. Werde Dir Deiner eigenen Gefühlslage bewusst.
  2. Schaffe für Dein Team einen Raum, in dem es möglich wird, die eigenen Emotionen auszusprechen. Gehe dabei mit gutem Beispiel voran (wenn Du Sorge vor „Oversharing“ hast, lies gerne diesen Blog-Beitrag, erzwinge nichts, biete einfach nur die Möglichkeit, sich mitzuteilen.
  3. Findet für Euch eine stimmige Balance zwischen „Fühlen“ und „Machen“. Was könntet ihr als Team konkret tun?

Weitere Posts:

24. Juni, 2022

21. Juni, 2022

17. Juni, 2022

17. Juni, 2022

7. Juni, 2022

3. Juni, 2022