Lob, Anerkennung oder Wertschätzung – Wortklauberei oder gibt es ein Richtig und ein Falsch?

Die ersten 100 Tage, Führung

„Ich habe meinen Mitarbeiter im Abschlussgespräch zu einem wichtigen Projekt gelobt, aber irgendwie hat ihm das nicht gefallen. Er schien darüber eher verärgert zu sein.“

So erging es einem meiner Kunden vor Kurzem. Er war irritiert. Denn wünschen sich nicht alle Mitarbeiter:innen Lob von ihren Vorgesetzten?

Wollen sich nicht alle gesehen und anerkannt fühlen und für ihren Beitrag geschätzt wissen?

Meiner Meinung nach:
NEIN, nicht alle möchten gelobt werden!
Und JA, AUF JEDEN FALL möchte sich jeder geschätzt fühlen.

Worin besteht der Unterschied zwischen Lob, Anerkennung und Wertschätzung:

  • LOB = positive Rückmeldung auf positive Leistung, ein positives Ergebnis, einen Erfolg oder ein erwünschtes Verhalten, das zu einem gewünschten Ergebnis geführt hat.
  • ANERKENNUNG = positive Rückmeldung für Mühen und Engagement unabhängig davon, ob das Engagement zum Erfolg geführt hat.
  • WERTSCHÄTZUNG = positive, wohlwollende und vor allen Dingen bedingungslose Haltung sich selbst und anderen gegenüber, bezogen auf die Person als „Ganzes“ und nicht „nur“ auf ihre Leistung oder ihr Engagement.

Der „Haken“ am LOB ist für mich, dass es für Viele ein hierarchisches Gefälle zementiert. Beim Loben fühlen sich Viele nicht mehr auf Augenhöhe mit ihrem Gesprächspartner.

Denn ein Lob beinhaltet eine klare Bewertung – Du hast aus meiner Sicht etwas gut gemacht und deshalb lobe ich Dich dafür.

Die fehlende Augenhöhe ist vor allem selbstbewussten Mitarbeitenden oft unangenehm, vielleicht fühlen sie sich dadurch sogar manipuliert.

Denn in dieser Form bewertet und gelobt wurden sie im Laufe ihres Lebens wahrscheinlich vor allem von Lehrern, von anderen „Autoritäten„, womöglich von den Eltern etc. Und so wollen sie sich als Erwachsene Menschen nicht mehr fühlen.

Vor allem, wenn sie selbst in ihrer Karriere vorankommen möchten, möchten sie sich auf Augenhöhe fühlen.

WERTSCHÄTZUNG hingegen knüpft sich nicht an Bedingungen, und wenn ich jemandem Wertschätzung entgegenbringe, bleibe ich auf Augenhöhe.

Ich spiegle, wofür ich jemanden als Mensch schätze. Ich schaue nicht nur auf Leistung und Engagement.

Ich bewerte nicht, sondern ich gebe wieder, wofür ich dankbar bin – unabhängig von einer Einzelleistung.

Wertschätzung „passiert“ jedoch nicht so schnell wie Lob. Es ist nicht mit einem Satz zwischendurch getan.

Es geht vielmehr darum, jeden Tag mit einer wertschätzenden Grundhaltung zu gestalten und sukzessive eine entsprechende Atmosphäre im Team herzustellen.

ANERKENNUNG zahlt aus meiner Sicht auf eine wertschätzende Atmosphäre ein, denn dabei geht es nicht um das Ergebnis einer Leistung, sondern darum, das Engagement einer Person anzuerkennen und ihren Beitrag zum großen Ganzen wertzuschätzen.

Hältst DU das alles für Wortklauberei? Was denkst Du dazu?

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