14. Oktober 2020

Unter Stress: Risiken beim Führen und wie Du sie vermeiden kannst

Führung

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Oder: Die „dunkle Seite“ Deiner Macht und wie Du in 3 Schritten zum Jedi wirst

Freitag Morgen, 8 Uhr, etwas k.o. und verschlafen schlurfe ich ins Büro. Nicht ahnend, dass ich 2 Minuten später hellwach und voller Adrenalin sein würde. Denn 1 Minute später kommt meine Chefin zu mir. An ihrem Gesichtsausdruck ist leicht erkennbar, dass sie „not amused“ ist.

Mit säuerlicher Miene erzählt sie mir, dass in den Daten, die wir beide am Vorabend bis spät in die Nacht hinein zu einem hochbrisanten Thema für den Vorstand aufbereitet hatten, ein Fehler enthalten war. Die Verärgerung der Vorstände landete also direkt auf meinem Tisch, mit der Anweisung ad hoc den Fehler auszubügeln. Hochkonzentriert machte ich mich dran und hatte das Datenproblem nach 30 Minuten gelöst. Die Besänftigung des Vorstands fiel zum Glück damals nicht in mein Aufgabengebiet ;-).

Meine „dunkle Seite“ und ihre Konsequenzen

Rückblickend wundere ich mich nicht, dass es so gekommen ist. Wäre mir (und meiner Chefin) damals schon bewusst gewesen, wie meine Verhaltensmuster aussehen, wenn ich unter Druck stehe, hätten wir sicherlich die Daten vor Versenden an den Vorstand noch einmal detailliert überprüft und sichergestellt, dass sich durch meine nicht so hochgradig ausgeprägte Detailorientierung bei diesem hochgradig Detailorientierung erfordernden Job eben keine Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen haben.

Hinzu kam, dass ich an besagtem Morgen auch eher pampig reagierte – auch eines meiner klassischen Verhaltensmuster unter Stress. Ich sagte meiner Chefin, dass sie sich nicht wundern muss, dass sich nach einem 14-Stunden-Tag Fehler einschleichen – Vorstand hin, Vorstand her. Des Risikos sei sie sich ja wohl bewusst gewesen und wenn nicht, müsste ich mich doch stark über ihre Führungsfähigkeit wundern…

Druck, Stress, bestimmte Trigger bringen jeden von uns auf den dunklen Pfad zum Sith Lord

Im normalen Alltag ist eine solche Ansprache eigentlich nicht mein Stil. Wertschätzender, freundlicher Umgang, gegenseitige Unterstützung, Verständnis für die Belange meines Gegenübers sind mir äußerst wichtig.

Aber unter Druck und Stress gelingt mir das nicht immer. Und es ist mir im Nachgang oft richtiggehend peinlich wie ich mich aufgeführt habe.

“In a dark place we find ourselves, and a little more knowledge lights our way.”

Yoda

Geht es Dir auch manchmal so, dass Du im Nachgang auf Situationen schaust, in denen Du unter Druck standst, Stress empfunden hast oder irgendwas Dich angetriggert hat, und Du fragst Dich, was zur Hölle Dich da geritten hat?

Was kannst Du tun, um das zu vermeiden? Wie findest Du den Pfad zum Jeditum?

1. Erkennen und bewusst machen

Um solche Situationen zu minimieren bzw. um zu lernen, damit anders umzugehen, ist der erste Schritt: Erkenntnis. Bewusst machen.

Du musst also mehr darüber erfahren, wie andere Dich in solchen Situationen wahrnehmen (Fremdbild) und das mit Deinem eigenen Erleben abgleichen (Selbstbild).

Dazu 3 Ideen:

a) Selbst reflektieren

Du kannst Dir bewusst am Ende jeden Tages einige Minuten Zeit nehmen und reflektieren,

  • in welchen Situationen Du heute nicht so performt hast wie Du es Dir wünschst, und
  • Dir überlegen, wie Du es anders machen wollen würdest und
  • was Du das nächste Mal konkret tun kannst, um das negative Verhalten durch positives Verhalten zu ersetzen.

Das Problem daran ist häufig, dass jeder von uns doch einige blinde Flecken mit sich herumträgt und Dir Einiges in der Reflektion Deiner eigenen Verhaltens verborgen bleibt.

„Unlearn you must what you have learned.”

Yoda

b) Einen Sparringspartner finden

Eine weitere Idee wäre daher, dass Du Dir zum Beispiel eine vertraute Person als Sparringspartner suchst und sie regelmäßig um Feedback bittest – Dein persönlicher Yoda!

So kannst Du Deine Selbstreflektion, Dein Selbstbild um die Perspektive von außen, um ein Fremdbild, erweitern. Wenn Du eine solch vertraute Person, die Dich in Deiner persönlichen Entwicklung unterstützen kann und möchte, in Deinem Umfeld hast, sprich sie an! Eine Sparrings-Partnerschaft kann für beide von Euch hilfreich sein.

c) Eine Persönlichkeitsanalyse machen

Eine dritte Möglichkeit ist schließlich die Reflektion anhand eines Persönlichkeits-Assessments. Eine solche „Persönlichkeitsanalyse“ ermöglicht es Dir, einen neutralen, wissenschaftlich fundierten Blick auf Deine „dunkle“ Seite wie auch Deine Stärken, deinen Alltags-„Autopiloten“ und Deine inneren Antreiber, Motivatoren und Werte zu richten.

Du erfährst anhand eines solchen Instruments, wie Deine Stärken und Risikofelder im Vergleich zu vielen tausend anderen Führungskräften weltweit ausgeprägt sind und welche Reputation Du vermutlich im Unternehmen hast. Genauso aber auch, in welchem Arbeitsumfeld Du am erfolgreichsten ist.

Eine solche Analyse ermöglicht es Dir, gezielt mit Deinen Stärken und Risikofeldern umzugehen, und zu reflektieren, was es in Deiner aktuellen Situation, in Deinem aktuellen Umfeld braucht, um dauerhaft und nachhaltig erfolgreich zu sein.

Wenn Du daran Interesse hast, melde Dich gerne bei mir! https://calendly.com/simoneolbert/15min

Was nun tun, wenn Du Dir Deiner „dunklen Seite“ bewusst bist?

2. Trigger und Stressfaktoren identifizieren

Der zweite Schritt besteht darin, Dir die Situationen genauer anzuschauen, die Dich auf den „dunklen“ Weg bringen.

Finde heraus, was Dich in Stress bringt, welche Situationen Dich „antriggern“ und Dich aus der Reserve locken.

  • Wer oder was drückt regelmäßig Deine „roten Knöpfe“?
  • Wann und wodurch fühlst Du Dich unter Druck gesetzt?
  • Wer bringt Dich immer wieder zum Ausrasten?
  • Wer ist für Dich ein „rotes Tuch“?
  • Was oder welche Aufgaben sind für Dich ein Graus?
  • Wann empfindest Du Stress?
  • Welche Situation, welche Aufgaben, welche Personen stressen Dich?

“Named must your fear be before banish it you can.”

Yoda

Auch hier kann der Austausch mit einer vertrauten Person oder einem Coach hilfreich sein, um blinde Flecken aufzudecken und die 1-2 grundlegenden Themen, die sich hinter diesen Situationen verbergen aufzudecken.

Und dann?

3. Stressfaktoren reduzieren und Energiehaushalt managen

Im dritten Schritt geht es darum, die identifizierten Trigger und Stressfaktoren zu reduzieren und Deine Fähigkeit, Deinen Energiehaushalt zu managen, auszubauen.

Wichtig zu wissen ist: Unsere Persönlichkeit bleibt über die Zeit relativ stabil. Einschneidende Lebensereignisse können zu Veränderungen in unserer Persönlichkeit führen, aber ansonsten sind unsere grundlegenden Eigenschaften über die Jahre recht gleichbleibend!

“Many of the truths that we cling to depend on our point of view.”

Yoda

Das heißt, dass es im dritten Schritt also NICHT darum geht, die eigenen Verhaltensweisen grundlegend zu ändern. Es geht vielmehr darum, bewusst mit ihnen umzugehen und dafür zu sorgen, seltener unter Stress zu geraten oder sich antriggern zu lassen.

Um die „dunkle Seite“ also abzuschwächen oder zu vermeiden, kannst Du dafür sorgen, dass Du nicht so oft in Situationen kommst, in denen Du zum Sith Lord wirst.

Das gelingt Dir, indem Du Dir

  • die Trigger anschaust, die Dich stressen. Überlege Dir: Was triggert Dich so? Warum lässt Dich das ausrasten? Was sagt Dir das über Dich selbst? Wann hast Du den Trigger zum ersten Mal erlebt? Was war der Auslöser?
  • Lernst, mit Deiner Energie so zu haushalten, dass Du seltener Stress erlebst. Auch hier solltest Du Dich fragen: Was sind Auslöser für Stress? Wie kannst Du diese Auslöser vermeiden oder umgehen? Wie kannst Du dafür sorgen, dass Du Stress schneller abbaust und Dein Energielevel auf einem guten Niveau hältst (hier spielen auch körperliche Aktivität, Schlaf, Tagesrhythmen und Ernährung eine Rolle)?

“To be Jedi is to face the truth, and choose. Give off light, or darkness, Padawan. Be a candle, or the night.”

Yoda

Wie gut kennst Du Deine „dunkle Seite“?

Wer sollte das hier lesen?

Ich freue mich über Deine Kommentare und Gedanken:


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